von Walter Zürcher

 

    Basler Missionsschiff verschwindet in blauen Tiefen

Der Untergang des Seglers Eintracht

 

Vor 125 Jahren rammte der Segler „Eintracht" der Basler Missions-Handlungs- Gesellschaft (MHG), beladen mit Stückgut, 500 Dielen und 150 leeren Fässern, das Hartwell-Riff an der Küste der Insel Boa Vista bei Kap Verde und versinkt in den Fluten.

Die Schonerbrigg „Eintracht", wie die MHG ihren zweiten hölzernen 33 Meter langen Segler nannte, kaufte für sie Gottfried Bagelmann aus Bremerhaven für Fr. 101’100.- Ihre erste Reise nach Westafrika startete der kleine Zweimaster unter Kapitän Clüver und neun Mann Schiffsbesatzung am 1.Juli 1873.

Frachtensegler für Afrika

Die Aufnahme der Schifffahrtstätigkeit hatte ihren Anstoss 1859 in der Gründung der „Missions-Handlungs-Gesellschaft", um die an der Goldküste tätigen Missionare und deren Stationen regelmässig mit Bedarfsartikel aus Europa zu versorgen. Mit der Ausdehnung ihrer Missionsstationen in Westafrika resultierte ein zunehmend grösserer Tauschhandel mit den Eingeborenen sowie eine kontinuierliche Ausbreitung der eigenen Plantagen.

Bediente sich die MHG für die Personen- und Warentransporte nach Afrika vorerst der Schiffe der Bremer Firma Friedrich M.Vietor Söhne, so besann man sich der Abhängigkeit zum deutschen Reeder wegen und auch der Schwierigkeiten fremden Schiffsraum zu erhalten, ein eigenes Segelschiff anzukaufen.

Der Erwerb jedoch konnte mangels fehlender Gesetzgebung zur Führung einer Schweizer Flagge, nur durch einen ausländischen Staatsangehörigen erfolgen, der offiziell auch als Eigentümer im Schiffsregister aufgeführt wurde. In Geestemünde/D fand man einen Korrespondenzreeder, der 1866 für die Basler ihr erstes Schiff, die „Palme", ankaufte.

Die erzielten Gewinne durch den später in die Kriegswirren verwickelten Schoner „Palme", ermunterte die MHG im Juni 1873 zum Ankauf eines zweiten Schiffes, der „Eintracht".

Rettungsboote klar machen!

Die ersten vier Reisen der „Eintracht" von Bremerhaven nach Accra, Prampram und Adabo, hier sie vorwiegend Palmöl, Palmkerne und Kaffee lud, verliefen für den neuen Frachtensegler ohne nennenswerte Vorkommnisse. Auf ihrer fünften Ausreise, kollidierte sie jedoch unweit Texel an der holländischen Küste mit einem Fischerfahrzeug. Der Schaden an ihrer Takellage liessen sie in Dover reparieren.

Die siebente und verhängnisvolle letzte Fahrt der „Eintracht" hatte ihren Beginn am 31. Januar 1878 in Bremerhaven. Auf der Höhe der Kap Verd’schen Inseln beschäftigte sie ein steifer Nordost-Passatwind. Zudem nahm der 33-jährige Kapitän Bartels irrtümlich an, genug östlich der Insel Boa Vista und deren umgebenden Riffe zu steuern. Doch kurz vor Mitternacht zum 9.März schlug das Schiff mehrere Male auf die Felsen eines Riffs, wurde wieder flott, trieb jedoch mit eingeklemmter Ruderpinne manövrierunfähig und hilflos umher. Das Schiff lief leck, die Pumpen im Dauereinsatz bewirkten wenig und so bestiegen die Mannschaft die Rettungsboote und verharrten bis in die Morgenstunden des 10.März hinter dem sinkenden Zweimaster, ehe sie am 11.März wohlbehalten in Mayo (Kap Verde) einruderten. Hier hätten sie ursprünglich eine Partie Salz für Westafrika laden sollen. Mit einem Hamburger Dampfer gelangten die Schiffbrüchigen kurz später zurück in die Heimat.

Die im April 1878 vor dem Seeamt Bremerhaven stattgefundene Verhandlung, rügte den Kapitän und den Steuermann, sie hätten ihre Pflichten ungenügend ausgeführt, auch wenn sie das Verlassen der manövrierunfähigen „Eintracht" billigten.

Gute Renditen

Da die „Eintracht" auf ihren sieben Reisen gutes Geld erwirtschaftete, verblieb den Baslern nach Auszahlung des Versicherungswertes von Schiff und Ladung, noch ein stolzer Gewinn.

Als Ersatz für die gesunkene „Eintracht" kaufte die MHG den Segler „Canton".

Mit der „Agnes" und der „Asante" standen der Gesellschaft zwei weitere eigene Schiffe im Westafrika-Dienst.

Zu Beginn der achtziger Jahre wurde klar, dass die Segelschiffe dem Wettbewerb der Dampfer nicht standhalten würden. So endete 1885 nach 19-jähriger Reedereitätigkeit, die aktive Schlussbilanz ihrer Hochseeschifffahrt.

Walter Zürche

SVS-Journal 4/2003, Basel

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