Vom Matrosen zum US-Admiral
Porträt Admiral Edward Walter Eberle

von Walter Zürcher

Zu den wohl berühmtesten aus der Schweiz stammenden Bürgern der Vereinigten Staaten gehört sicher der Admiral E. W. Eberle, dessen Persönlichkeit Walter Zürcher nachzeichnet

 

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Der spätere Chief of Naval Operations der US-Marine, Admiral Edward Walter Eberle, entstammt einer Familie aus dem schweizerischen Walenstadt. Er wurde am 17. August 1864 als fünfter Sohn des 1846 ausgewanderten Joseph Eberle in Denton/Texas bereits als amerikanischer Bürger geboren. Nach dem Schulbesuch in Fort Smith trat er dank der guten Beziehungen seines Vaters zu einem Kongressmitglied am 28.9.1881 in die Marineakademie in Annapolis ein, beendete vier Jahre später erfolgreich seine Studien und leistete in den folgenden zwei Jahren Dienst auf den Kriegsschiffen »Mohican« und »Shanandoahr«. Am 1.7.1887 wurde er zum Midshipman (Fähnrich) ernannt und auf die in der Seevermessung eingesetzte »Albatros« beordert. Unter Kapt. Tanner erstellte er Seekarten der damals noch unbekannten Fischgründe in der Beringstraße und in der Magellanstraße.

Zwei Jahre später heiratete er und betrieb Studien auf der Marinewerft in Washington. Hier demonstrierte er eine außerordentliche Begabung und großes Interesse für die Bordbewaffnung, die Naval Gunnery.

Midshipman Eberle meldete sich auf dem Dampfer »Lancaster« der US Navy und schipperte mit diesem auf dem Atlantik und dem Indischen Ozean. Nach anderthalb Jahren versetzte die US Navy ihn auf die in fernöstlichen Gewässern operierende »Marion«. Nach fast fünf Jahren in Asien kehrte er 1894 in die USA zurück und meldete sich in der Manineakademie in Annapolis. Am 12.7.1896, zehn Jahre nach seinem Eintritt in die US-Marine, erhielt er das Leutnantsdiplom. Der junge Leutnant reiste eine Woche nach der Patentverleihung nach San Francisco und musterte dort auf dem Schlachtschiff »Oregon« an. Dieses Schiff gehörte zu den zwei Einheiten der Navy, die mit modernen drehbaren Geschütztürmen ausgerüstet waren. Leutnant Eberle erhielt das Kommando über den vorderen Geschützturm, den Gun Turret Number One. Die »Oregon« kreuzte an der Pazifikküste, als 1898 der amerikanische Kongress Spanien den Krieg erklärte.

In der Schlacht von Santiago zwischen Schiffen der US Navy unter Admiral Sampson und der spanischen Armada unter Admiral Cevera tat sich Eberle besonders hervor, als er mit seinem Turm den schnellen spanischen Kreuzer »Cristobal Colon« wirkungsvoll beschoss. Hochrangige Marineoffiziere wurden auf den jungen Leutnant aufmerksam und Eberle wurde einige Monate später als Adjutant von Konteradmiral Albert S. Barker, dem Kommandierenden des asiatischen Verbandes, auf die »Baltimore« versetzt. Doch noch im selben Jahr kehrte er nach Annapolis zurück und wurde Adjutant des Inspekteurs der Marineakademie. Neben seinen üblichen Pflichten befasste er sich mit dem Studium über Bewaffnung von Kriegsschiffen und dem Verfassen von Handbüchern über die Ausbildung an Kanonen und Torpedos der US-Marine.

Nach einem weiteren Jahr auf See wurde er vom Schlachtschiff »Indiana« als Stellvertreter des Leiters der Marinewerft in New York versetzt, nach sechs Monaten jedoch erneut als Adjutant von Admiral Barker an Bord kommandiert. Nach zwei Jahren mit dem Oberbefehlshaber der Atlantischen Flotte, in denen er die Installation der ersten drahtlosen Funkstation auf einem Kriegsschiff maßgeblich begleitete, wurde Edward W. Eberle zum Korvettenkapitän (Commander) befördert. Der technisch sehr interessierte Marineoffizier hatte früh die Bedeutung der drahtlosen Übermittlung von Nachrichten als Verständigung auf See und damit Erleichterung der Flottenoperationen erkannt. Leutnant Eberle ersann auch einen Geheimcode.

In den folgenden Jahren wurde Eberle mit mehreren interessanten Aufgaben betraut. So wurde er Lehrer an der Marineakademie in Annapolis, 1. Offizier auf dem Kreuzer »Louisiana«, dann wieder Leiter der Marineausbildungsstation in San Francisco und gleichzeitig Kommandant des Ausbildungsschiffes »Pensacola«. In den Jahren entwickelte er auch den Einsatz von Nebelwänden für militärische Operationen. Diese Taktik spielte im Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle beim Einsatz der Zerstörer.

Nach einem erneuten kurzen Aufenthalt in Annapolis erhielt Edward W. Eberle das Kommando auf dem Schweren Kreuzer »Washington« und wurde 1915 zum Direktor der Marineakademie ernannt mit gleichzeitiger Ernennung zum Konteradmiral. Ende 1919 verließ er die Lehranstalt für angehende Marineoffiziere und befehligte die 5. und die 7. Division der Atlantikflotte. Nach dem Rücktritt von Admiral Hugh Rodman im Jahre 1921 übernahm Admiral Eberle das Kommando über die Pazifikflotte und am 12.7.1923 die Position des Chefs der Marineoperationen und damit das Oberkommando über die Marineeinsätze, also Flottenchef der US Navy. In dieser Position führte er harte Kämpfe gegen die Reduzierung des Waffenpotentials und gegen die Sparpläne des US-Kongresses. Er trieb die Fertigstellung der beiden Flugzeugträger »Lexington« und »Saratoga« voran und unterstützte die Bestrebungen nach einer Marine-Luftwaffe. Am 14. November 1927 wurde er von Admiral Charles F. Hughes abgelöst und am 9.8.1928 in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Admiral Edward Walter Eberle starb am 6. Juli 1929 in Washington, kurz vor Vollendung seines 65. Lebensjahres.

Zwei Schiffe wurden nach dem hervorragenden Marineoffizier mit Schweizer Blut benannt. Am 4.12.1940 nahm die US Navy den Zerstörer USS »Eberle« in Dienst, der zusammen mit vier anderen Einheiten als erste einen Konvoi nach Europa begleiteten und an der Invasion in Nordafrika beteiligt war. Das zweite nach dem Admiral benannte Manineschiff war der am 24.1.1945 bei der Bethlehem-Alameda Schiffswerft in Dienst gestellte Truppentransporter »Admiral E.W. Eberle«, mit dem viele Hunderte von Armee-Angehörige nach dem Weltkrieg von Europa in die USA zurückgebracht wurden. 

Dieser Artikel wurde auch in "Schiffahrt international" 10/2000  veröffentlicht.

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