Bericht

von Walter Zürcher

 
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Übersee-Dampfer kollidiert mit Eisberg

Vor 120 Jahren verschwand der Passagier-Dampfer „Ludwig" des St. Galler Reeder’s Daniel Steinmann in den Tiefen des Ozeans.

Nur zwei Jahre nach seiner Auswanderung nach Antwerpen, gründet hier 1854 Daniel Steinmann (1825-1903) die Auswanderungsagentur „Steinmann & Cie". Mit gecharterten Segelschiffen beginnt der Sohn einer kinderreichen St. Galler Familie einen Emigrantendienst nach New York zu organisieren und kauft sich im November 1863 sein erstes Segelschiff. Auf seine Staatsangehörigkeit ansprechend nennt er sie „Helvetia". Als Hausflagge führte der 213 Tonnen vermessende Dreimaster und wie alle künftigen Schiffe der „White Cross Line", so nannte er seine Reederei, die Schweizer Flagge am Top des Hauptmastes.

Fast 20 Jahre blieben die Besitzer - 1870 nahm der deutsche Hermann Ludwig als Partner von Steinmann Einsitz im Unternehmen - der Segelschifffahrt treu, und sammelten so in dieser Zeit enorme Erfahrungen im Auswanderungsgeschäft. Dann entschlossen sie sich im Juni 1872 auf Dampf umzustellen und einen Passagier- und Frachtdienst nach Nord- und Südamerika einzuführen.

Luxuriöser Ozeandampfer

Die letzte und zwölfte Akquisition des Unternehmens folgte 1883 mit dem Kauf der 22 jährigen in Greenock/England für den Norddeutschen Lloyd (NDL) konstruierten HANSA. Das einhundert Meter lange und 12 Meter breite Eisenschiff, versehen mit einem Klipper-Bug und 3 Masten, wurde von einem Schraubenantrieb mit 1500 PS angetrieben, was ihr eine Reisegeschwindigkeit von 11,5 Knoten erlaubte. Ausgestattet war sie mit 76 Erste Klasse Kabinen, 107 Kabinen in 2.Klasse und hielt Platz für 480 Zwischendeckpassagiere. Der Crewbestand bewegte sich um 100 Personen.

Ihre Jungfernfahrt startete sie am 24.November 1861 in Bremen und schipperte nach New York.

Ihre letzte Reise für den NDL von Bremen nach New York begann sie am 12.November 1878 und wurde anschliessend nach Southampton verkauft. Nach weiteren drei Handänderungen erwarb sie die „White Cross Line" des St. Galler Daniel Steinmann. Der nun in LUDWIG umbenannte Dampfer, war nicht nur die älteste Einheit der Flotte, sondern mit 328 Fuss Länge das grösste jemals in ihrem Besitz gestandene Schiff. Noch vor ihrem ersten Einsatz für die W.C.L. wurde sie umgebaut und neu mit 3087 Tonnen vermessen.

Kaum wehte am Hauptmast der LUDWIG die Schweizer Flagge, wurde am 25.Juli 1883 in Quebec vermeldet, der Dampfer sei 23 Tage nach der Ausfahrt von Antwerpen nach Montreal überfällig. An Bord befanden sich 32 Passagiere, 43 Mannschaftsmitglieder sowie als Fracht 444 Zuchtrinder. Letztmals sah man sie am 7.Juli 20 Meilen südöstlich von Plymouth. Das Schiff inklusive Fracht waren für $ 500'000.- versichert. Das Rätsel der LUDWIG wurde nie gelöst, doch glaubte man, sie sei nach einer Kollision mit einem Eisberg gesunken.

Walter Zürcher

 

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