GESCHICHTE DER KÜSTENSCHIFFARTS AG GOLDACH / SANKT GALLEN

    

Die Ostschweizerischen Mühlen AG, Goldach im Kanton St. Gallen (oberhalb Rorschach am Bodensee) gründeten im Jahr 1951 die Küstenschiffahrts AG, Goldach und erwarben Ende des gleichen Jahres das alte Küstendampfschiff BEATRIZ und tauften es GALLUS.

Die Firmengeschichte der Ostschweizerischen Mühlen AG, Goldach lässt sich bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen, damals im Jahr 1670 wurde die Bruggmühle gegründet und 1899 mit der Neumühle zur Vereinigte Mühlen AG, Goldach fusioniert, später zur Ostschweizerischen Mühlen AG. Heute besteht die Firma immer noch, aber wieder unter dem ursprünglichen Namen Bruggmühle Goldach AG und gehört zur Minoteries Gruppe in Granges-près-Marnand VD (bei Payerne).

Das Aktienkapital von 150'000.- Franken gehörte den Ostschweizerischen Mühlen AG, sowie Emil Eberle und Martin Müller, beide in leitender Stellung im Mühlenbetrieb. Emil Eberle und Martin Müller bildeten auch den Verwaltungsrat. Eine Nachprüfung ergab, dass auch die Ostschweizerischen Mühlen voll Schweizer Bürgern gehörte, somit das ganze Kapital der Reederei in Schweizer Händen lag. Auf Grund dieser Tatsachen bewilligte der Bundesrat das Flaggenrecht für die GALLUS. Der Frachter wurde von A.B. Estoco, Stockholm zum Preis von 420'000.- Franken im Dezember 1951 übernommen. Die restliche Summe des Kaufpreises wurden von Darlehen der Mühle und Herrn Eberle gedeckt. Im Gegensatz zu anderen Schweizer Reedern bemühte sich die Küstenschiffahrts AG, Goldach ihr Schiff auch selber zu betreiben. Zu diesem Zweck wurde auch Gottfried Marti eingestellt, der zuvor in einem Schifffahrtsbetrieb in Basel die entsprechenden Kenntnisse und Erfahrungen gesammelt hatte.

Man wundert sich vielleicht, wie ein Mühlenbetrieb auf die Seefahrt kommt, dazu kann man sagen, in diesem Gewerbe sind die Leute schon immer international ausgerichtet gewesen, besonders mit dem Getreidehandel. Nach der prekären Versorgungslage während des 2. Weltkriegs war es bestimmt naheliegend in ein Schiff zu investieren, zumal im Sommer 1951 der Koreakrieg ausgebrochen war und die Frachtraten in die Höhe trieb.

Leider blieb die GALLUS nur gute anderthalb Jahre in Betrieb. Nach dem 1953 der Frachtmarkt mit dem zu Ende gehenden Koreakrieg zusammen gebrochen war, konnte der alte Dampfer nicht mehr gewinnbringend betrieben werden. Die GALLUS wurde im Juli 1953 in Hamburg aufgelegt und im November 1953 an eine Abwrackfirma übergeben.

Gemäss Marc Müller, Enkel von Martin Müller, hängt noch heute ein Bild der GALLUS im Sitzungszimmer der Bruggmühle in Goldach.

Quellen:

- Schweizer Bundesarchiv, Bern

- Marc Müller, Bruggmühle Goldach

SwissShips, HPS, Juli 2015

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