Schiffsgeschichte
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Dieser Mehrzweckfrachter gehörte zu einer Serie von fünf Schiffen, die bei der Werft Sedef Gemi Endustrisi A.S. Gebze (bei Istanbul) in der Türkei gebaut wurden. Davon wurden drei kleinere Schiffe von 6300 DWT und zwei grössere von 7300 DWT gebaut. Die Frachter hatten die gleichen Abmessungen und die gleichen Hauptmaschinen, jedoch war bei den zwei grossen Schiffen der Tiefgang rund 0,73 m grösser und die Geschwindigkeit einen halben Knoten niedriger. Eines der grösseren Schiffe hatte Massoel S.A. in Genf erworben, die LUGANO 2.

Gebaut als YUNUS wurde das Schiff Ende 1984 von der türkischen Reederei Yunus Deniz Ticareti AS, Istanbul unter türkischer Flagge in Dienst genommen, knapp 2 Monate später auf YUNUS II umbenannt (Rufzeichen: TCBY, offizielle Nr.: 5305). Yunus ist ein muslimischer Männername, auf Türkisch bedeutet er aber auch Delfin.

Kapitän Paul Preisig, der die Aktienmehrheit von Suisse-Outremer Reederei AG in Zürich im Herbst 1989 übernommen hatte, kaufte dieses Schiff im Sommer 1990 für die Eignerfirma Nanice Schiffahrts AG, Herisau und den Betrieb übernahm Suisse-Outremer. In Malta erfolgte die Übergabe und die Trockendock Inspektion vom 16.08.1990 bis zum 25.08.1990. Bei dieser Gelegenheit reparierte und überholte die Werft auch den Verstellpropeller. Der Frachter erhielt den Namen MARTIN P. und wurde am 24.08.1990 unter Schweizer Flagge registriert (Rufzeichen: HBFH, offizielle Nr.: 133).

Der erste Kapitän der MARTIN P. war Peter Schickli, später folgten andere Schweizer Kapitäne, wie Martin Horner, Hans-Ruedi Hauser und Max Burger. Gian-Carlo Kern fuhr als 2. Offizier. Ein Teil der Besatzung stammte aus den Beständen der alten Suisse-Outremer Schiffe, andere kamen aus Indonesien, Cabo Verde und auch aus Jugoslawien.

Die MARTIN P. fuhr in Nord- und Südeuropa, brachte Lebensmittel über das Mittelmeer nach Libyen. Auch weltweit war sie unterwegs, nach Westindien und an die Westküste von den USA nach Long Beach. Sie war in Bandar Abbas (Iran) und segelte von hier um das Kap der Guten Hoffnung nach Westafrika. Häufige Ladungen waren Stahlprodukte wie „steel coils“ oder Eisenbahnschienen aus dem Stahlwerk in Piombino nach Griechenland.

Im Frühjahr 1999 stellte die Suisse-Outremer Reederei AG ihre geschäftlichen Aktivitäten ein und übergab das Management am 28.04.1999 an die ABC Maritime SA, Nyon.

Auf einer Fahrt im Dezember 1999 vom bulgarischen Hafen Bourgas nach Rotterdam mit einer Ladung des Minerals Pyrit (Eisenkies, oder Schwefelkies, dient zur Herstellung von Schwefelsäure, spezifisches Gewicht ungefähr 5,0) geriet die MARTIN P. am 29.12.1999 im Bosporus in einen Ausläufer des Sturmtiefs „Lothar“, welches zuvor quer durch Europa schwere Verwüstungen angerichtet hatte. Die Pyrit Ladung verflüssigte sich während der Reise, wodurch das Schiff Schlagseite erhielt.

Deshalb lief die MARTIN P. Ambarli bei Istanbul als Nothafen an, um die Ladung zu löschen. Der Liegeplatz schien jedoch nicht sicher und der Kapitän befürchtete, dass die Festmacherleinen dem Sturm nicht standhalten könnten und wollte den Hafen wieder verlassen. Dieses Manöver misslang, da die Hauptmaschine nicht startete. Während der Frachter so vor sich hin dümpelte, erfasste eine grosse Welle das Schiff und trieb ihn mit dem Heck auf die Ufersteine, so dass der Rumpf mittschiffs einknickte. Während Laderäume und Maschinenraum überflutet wurden, konnte immerhin die gesamte Mannschaft gerettet werden. Zur Vermeidung einer Ölverschmutzung wurde rund um das Schiff eine Ölsperre gelegt. Am 06.01.2000 begann eine türkische Firma mit dem Abpumpen des Bunkeröls.

Das Wrack blieb einige Monate in Ambarli liegen, während sich die Owners mit der Versicherung stritten. Endlich nach einigen Monaten erklärte man das Schiff zum Totalverlust und am 04.06.2000 wurde es im Register der schweizerischen Seeschiffe gestrichen. Am 05.09.2000 wurde das Wrack durch den Versicherer übernommen. Durch Vermittlung von ABC Maritime kaufte der Geschäftsfreund Bahri Turan von Turan Shipping den Frachter. Die Ladung wurde gelöscht und das Wrack in eine Werft in Istanbul geschleppt, repariert und im Juni 2001 unter Panama Flagge wieder in Fahrt gebracht. Umbenannt in BAHRI TURAN und registriert für die Treasure Shipping Ltd. (Management: Treasure Shipping Ltd., Valletta), Panama (Offizielle Nr.: 29742-PEXT, Rufzeichen: H9JA).

Innerhalb der Türkei einige Male mit verschiedenen Eigner-, Namens- und Flaggenwechseln weiterverkauft.

Im Juli 2002 verkauft an Seda Shipping Ltd. Valletta (Management: Seda Denizcilik ve Ticaret A.S., Istanbul). Neuer Name DORUK und in Valletta, Malta registriert (Offizielle Nr.: 7845, Rufzeichen: 9HIH7). Im Oktober 2006 auf türkische Flagge gewechselt und als DORUK A in Istanbul registriert (Rufzeichen: TCSL3).

Im Juni 2007 Ankauf durch Emiroglu Shipping, Bunkering & Foreign Trading Ltd., Istanbul und umbenannt in MEVLANA. Das Schiff verbleibt unter türkischer Flagge.

Im August 2008 weiterverkauft an Seven Seas Shipping & Trading Ltd. Corp. Istanbul (Management: Seda Denizcilik ve Ticaret AS / Seda Shipping & Trading Inc. Istanbul). Wieder unter Panama Flagge registriert und umbenannt in AZRA (offizielle Nr.: 3459709, Rufzeichen: 3ETG7).

Anfangs 2012 zum Verschrotten an Kursan Gemi Sokum Ltd. in Aliaga (bei Izmir) verkauft und am 25.02.2012 in Aliaga eingetroffen.

Quellen:

SwissShips im Juni 2023

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